Ostpreußen ein Teil deutscher Geschichte
Im letzten Jahr feierte der Film „OSTPREUSSEN ENTSCHWUNDENE WELT“ (mehr zum Film) in der Bremer Schauburg seine Premiere. Mein Mann war von dem Film so angetan, dass ein Besuch des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg auf unsere Reiseliste kam.

Entstehung des Museums
In Niedersachsen lebten nach dem Zweiten Weltkrieg Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten. Anfang der 1950er Jahre waren in der Lüneburger Region so viele Menschen aus Ostpreußen ansässig, dass zeitweise von „Klein-Ostpreußen in der Lüneburger Heide“ die Rede war. So liegt es nahe, dass ein Museum über Ostpreußen seinen Sitz in Lüneburg fand.
In den 1950er Jahren als Ostpreußisches Jagdmuseum entstanden, entwickelte sich das Museum immer weiter bis es in den 2010er Jahren zu einem europäischen Kulturhaus ernannt wurde. In einem erweiterten Anbau findet nun auch noch 2026 das Museum zu Kant seinen Platz, ein zentraler Erinnerungsort für Kant und die deutsche Aufklärung.
Themenräume im Ostpreußischen Museum
Allein das Ostpreußische Museum bietet schon heute umfangreiche Themenräume. Wir haben uns gut zwei Stunden im Museum aufgehalten und bei Weitem nicht alles anschauen können.
Die historische Abteilung beginnt im Erdgeschoss mit den Prußen und führt über den Deutschen Orden zu Herzogtum und Königreich, ergänzt durch den Naturraum, Bernstein, Wissenschaft, Literatur und Religion. Im ersten Stock liegt der Schwerpunkt auf der Weimarer Zeit, dem Umschwung im 19. Jahrhundert, der sich in Kunst und Wirtschaft zeigt bis hin zum Nationalsozialismus. Im zweiten Obergeschoss zeigt die Deutschbaltische Abteilung die Entwicklung von der deutschen Hanse, über das Baltikum unter russischer Herrschaft bis hin zur Umsiedlung in Folge des Hitler-Stalin Paktes.
Alle Abteilungen sind durch plastische Ausstellungsstücke und umfangreiche Info-Tafeln lebendig gestaltet.
Zum Mitnehmen gibt es dann auch noch Rezepte für Leckeres aus der Deutschbaltischen Küche, wie den Kurländischen Speckkuchen. Wird demnächst sicherlich ausprobiert.
Wir haben uns direkt nach dem Ausstellungsbesuch im angrenzenden MuseumsCafé Bernstein gestärkt.



Zum Museum
Ostpreußisches Landesmuseum
mit Deutschbaltischer Abteilung
Heiligengeiststraße 38
21335 Lüneburg
www.ostpreussisches-landesmuseum.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
10.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt 8 Euro,
Tipp: bis März 2026 zahlen Rentner:innen ermäßigt nur 4 Euro
Ein Audio-Guide ist kostenfrei am Eingang erhältlich.
Die Ausstellung kann durch einen virtuellen Rundgang zuhause nach- oder vorbereitet werden:
www.ostpreussisches-landesmuseum.de/ausstellungen/virtueller-rundgang
Kant-Museum
Das Kant-Museum eröffnet am 12. März 2026
Im Mittelpunkt der Ausstellung im neuen Museum steht das Denken Kants und seine Bedeutung für unsere heutige Welt. Die Ausstellung macht den Philosophen Kant einem breiteren Publikum zugänglich. Inszenierungen und interaktive Stationen schaffen einen direkten Zugang zu seiner Philosophie und animieren ganz nach dem Kant’schen Motto zum „Selberdenken“.
Bummel durch Lüneburg

Lüneburg mit seinem historischen Ambiente lädt zu einem längeren Verweilen ein: sei es zu einem Bummel durch die Innenstadt, zu einem Besuch in der Salztherme Salü oder auch zur Einkehr am Abend.
Anreise Lüneburg:
Mit der Bahn bis Hamburg Harburg, Umsteigen in Richtung Lüneburg mit der Regionalbahn ca. 1:50 Std.. Wer kein D-Ticket nutzt, ist mit dem ICE (gleiche Verbindung über Hamburg Harburg) schneller (ca. 1:10 Std.).
Apropos Dokumentarfilm „Ostpreußen entschwundene Welt“
In „OSTPREUSSEN ENTSCHWUNDENE WELT“ hat der Bremer Autor und Filmemacher Hermann Pölking eine einzigartige filmische Zeitreise auf die Leinwand gebracht. Der Film erzählt die Geschichte Ostpreußens in der Zeit von 1912 bis 1945 – ausschließlich anhand historischer Film- und Tonaufnahmen. Über 70 Prozent des verwendeten Materials stammen von Amateurfilmern. Dadurch bietet der so entstandene Kompilationsfilm immer wieder auch persönliche, biografische Einblicke.
Der Film läuft in Bremen zumindest im Februar 2026 immer Samstags, 13 Uhr im Cinema.
Lesetipp

Svenja Leiber
Kazimira
978-3-518-47291-0
suhrkamp taschenbuch 5291, 2023
www.suhrkamp.de
Der Roman von Svenja Leiber, Kazimira, spielt in einem abgelegenen Ort am Baltischen Meer Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts. Männer arbeiten im Bernsteinabbau, Frauen kümmern sich um Haus und Hof. Kazimiras Wunsch ist es, selber arbeiten zu gehen. Doch die Zeiten sind unruhig und Kazimira muss mit ihrer Familie durch viele Höhen und Tiefen gehen. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, wenn auch thematisch öfter bedrückend. Es ist spürbar, dass die Autorin intensiv über die Gegend und Zeit recherchiert und mit Kazimira eine überzeugende Frauenfigur geschaffen hat.








