Luftwurzel-Literatur / Der Sujet Verlag in Bremen

Vor rund 35 Jahren (1990) kommt der junge Madjid Mohit aus einer iranischen Verleger-Familie als politischer Flüchtling nach Bremen. Es dauert nicht lange, und er gründet den Sujet-Verlag in Bremen 1996. Das Wort ‚Sujet‘ bedeutet in der persischen Sprache Thema und ist Programm für den Verlag. Die großen Tabu-Themen im Iran wie Politik, Sexualität, Moderne und Verfolgung spiegeln sich in der Literatur des Sujet-Verlags wider.

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde Madjid Mohit mit seinem Sujet Verlag 2024 mit dem deutschen Verlagspreis ausgezeichnet. Bereits in vorherigen Jahren gab es Auszeichnungen für den Verleger: 2015 Hermann-Kesten Preis des PEN-Zentrums und 2018 Bremer Diversity Preis.

Luftwurzel-Literatur – ein poetischer Begriff von Madjid Mohit geprägt

Verleger Madjit Mohit

Neben dem Namen Sujet hat der Verleger Madjid Mohit  auch den poetischen Ausdruck Luftwurzel-Literaur für seinen Verlag geprägt. Das bedeutet, dass das Leben im Exil eine Chance bedeutet und eine kulturelle Horizonterweiterung für alle Beteiligten darstellt.

Die Erzählstoffe verweben persönliche und soziale Geschehnisse mit politischen Aspekten in Ländern wie Syrien, Iran, Afghanistan u. a. Die Migration bedeutet im Sinne der Luftwurzel-Literatur eine spannende und bereichernde Dimension.

Interessant ist auch, dass in der persischen Literatur Kurzgeschichten und Lyrik sehr populär sind. Besonders in der persisch-sprachigen Welt spielen Gedichte eine große Rolle und werden weitaus mehr gelesen als Gedichte in Deutschland. Deshalb finden sich in dem Verlag nicht nur Romane und Erzählungen, sondern auch einige Gedichtbände.

Grenzüberschreitende Literatur

Luftwurzeln – um noch einmal das Wort aufzunehmen, bedeuten in der Botanik, dass diese eine stabilisierende Funktion haben – sehr oft bei Orchideen auf dem heimischen Fensterbrett zu beobachten – und ebenso zusätzliche Energielieferanten für die Pflanze darstellen. Sie erobern aber auch damit neue Lebensräume und breiten sich aus. So sind diese Funktionen auf die Luftwurzel-Literatur übertragbar. Die Lebenswirklichkeiten der Protagonisten in den Geschichten leben nun gefestigt in der deutschen Kultur, haben aber dennoch ihre Urverwurzelung in ihren Heimatländern wie Iran, Syrien, Afghanistan … und bringen den Blick auf die Anderartigsein der Dinge in die Erzählstoffe ein.

Atef Abu Saif – auch in Deutschland bekannt

Zum Schluss soll an dieser Stelle der Schriftsteller Atef Abu Saif genannt werden, der für seine Werke internationale Anerkennung erfahren hat und in Deutschland erfolgreiche Lesungen realisiert hat. Sein bemerkenswerter Roman: „Leben in der Schwebe“ spielt im Gaza-Streifen und beleuchtet die sozialen, politischen und persönlichen Geschehnisse im Leben der Familien in dieser Region. Gewalt, Unsicherheit, ungelöste Konflikte begleiten die Menschen tagtäglich, die Gaza-Verwaltung kommt als zusätzlicher Spannungsbogen dazu. Dieser Roman wurde von dem renommierten Übersetzer Dr. Hartmut Fähndrich ins Deutsche übersetzt. Ein in Deutschland vielfach beachteter Roman. 

Leseempfehlungen – eine kleine Auswahl aus dem Sujet Verlag

Widad Nabi – Werk: Wurzeln schlagen. Eine kurdisch-syrische Lyrikerin; lebt seit 2015 in Berlin; Ihre Texte und Essays handeln von Verwundung und Heilung, von Verlust und Zuversicht. Sie setzt sich mit politischen Themen und Erfahrungen im Leben von Flüchtlingen auseinander, aber auch mit der Gleichberechtigung von Frauen auf der ganzen Welt.

Ibitsam Barakat – Werk: Das lila Mädchen. Eine palästinensich-amerikanische Autorin, lebt in den USA; Ihr Text ist zweisprachig und hat einen Literaturpreis in der arabischen Welt erhalten. Die Autorin setzt sich ein für kreative Lösungen im Palästina-Israel-Konflikt.

Jawdat Fakhreddin – Werk: 30 Gedichte für Kinder; ein sehr bekannter libanesischer Vertreter der modernen arabischen Poesie, Professor an der Universität Beirut.

Taqi Akhlaqi – Werk: Versteh einer die Deutschen; geboren in Afghanistan, lebt seit 2021 in Berlin. Mit Humor aber auch Selbstkritik blickt er in zwei ganz verschieden Kulturen und beschreibt das Geschehen. 

Fariba Vafi – Werk: Tarlan; sie gehört zu den meist gelesenen, modernen Autor.innen des Irans. Der Romanstoff handelt von einer jungen Frau in der Zeit politischer Umbrüche nach der Absetzung des Schahs. Die junge Frau bewegt sich zwischen Tradition und Moderne und entscheidet sich für die Ausbildung an der Polizeiakademie.

Weitere spannende Bücher sind über den Sujet Verlag und im Buchhandel erhältlich:

https://sujetverlag.de

E-Mail: kontakt@sujet-Verlag.de; Telefon: 0421 703737

Wer sich für den Sujet-Verlag interessiert, kann sich in den Verteiler für vielfältige Informationen und Veranstaltungen aufnehmen lassen.

ZDF: Eine Reportage zu Madjid Mohit und zur Luftwurzel-Literatur:

https://www.zdf.de/video/reportagen/forum-am-freitag-154/forum-am-freitag-vom-25-oktober-2024-100

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